VPB: Bestandsaufnahme Haus (1/6) – das Dach
Vor dem Kauf eines Hauses im Bestand ist es selbstverständlich, sich ein genaues Bild von der Bausubstanz zu machen. Auch wer bereits im Eigenheim lebt, ist gut beraten, den Zustand im Blick zu behalten. So vermeidet man Folgeschäden, erspart sich also unnötige Kosten – und erhält den Wert des Hauses. Das ganze Jahr über gilt es, schnell zu handeln, wenn die Bausubstanz beeinträchtigt ist. Ein Check im Frühjahr empfiehlt sich besonders. Denn nach dem Winter zeigt sich oft Verschleiß durch Schnee und Frost, was zu Schäden führen kann. „Bauphysikalisch sollte man sein Haus dabei immer als Gesamtsystem betrachten“, rät Andrea Blömer, die das Regionalbüro des Verband Privater Bauherren (VPB) in Iserlohn leitet. „Unverzichtbar ist eine darauf abgestimmte, professionelle und unabhängige Beratung.“ Zu den wichtigen Einzelbereichen des Hauses, die man im Blick haben sollte, zählt das Dach.
Empfehlenswert ist ein Blick auf den Dachboden nach feuchten Stellen und Schimmelbildung: Sind der Dämmstoff und die Unterdeckbahn überall noch intakt – sind etwa Tiere oder Schädlinge eingedrungen? Verschobene Ziegel und zerbrochene Dachsteine fallen auch Laien auf, wenn sie von unten das Dach begutachten. Gewissheit über den Zustand kann ein hochauflösendes Bild geben. „Idealerweise macht man solche Fotos vom Nachbarhaus aus oder nimmt sie mit einer Drohne auf“, sagt Blömer. „Vergleicht man aktuelle Aufnahmen mit jenen aus den Vorjahren, lassen sich Veränderungen der Dachdeckung erkennen, was auch für die langfristige Sanierungsplanung hilfreich ist.“ Finden sich Hinweise auf Schäden, sind Profis gefragt. Die Kontrolle sowohl stark geneigter Dachflächen als auch von Flachdächern sollten Hauseigentümer immer Fachleuten überlassen.
Finden sich Stellen, die nicht mehr dicht sind, ist es angesagt, umgehend Abhilfe zu schaffen, damit keine Feuchtigkeit in das Gebäude eindringt. Mit einer Instandsetzung allein ist es nicht unbedingt getan. „Falls Reparaturen notwendig sind, kann es sich lohnen, auch gleich eine zusätzliche Wärmedämmung vorzunehmen“, sagt Blömer. „Dabei gilt es, das bauphysikalische Ganze zu beurteilen.“ Hier ist umfassende Expertise wertvoll – hinsichtlich Wirkung, Kosten und staatlicher Förderung. Unabhängige Bausachverständige wie vom VPB können angeben, was zu tun ist, mit welchen Kosten man etwa rechnen muss – und anschließend überprüfen, ob die Arbeiten auch korrekt ausgeführt worden sind.
„Die Bestandsaufnahme im Eigenheim ist ein kontinuierlicher Prozess“, weiß Blömer. „Kosten für regelmäßige Wartungen und kleinere Reparaturen sind gering im Vergleich zu den hohen Ausgaben, die durch vernachlässigte Schäden entstehen können.“
Die sechsteilige VPB-Serie „Bestandsaufnahme Haus“ wird fortgesetzt und erscheint wöchentlich. Die nächsten VPB-Expertentipps zeigen,auf welche Bereiche Bestandskäufer und Eigenheimbesitzer im Gesamtsystem Haus ebenfalls achten sollten: Fassade und Mauerwerk (2), Fenster und Türen (3), Keller (4), Heizung (5), Außenbereich (6).