Expertentipp am Mittwoch

VPB: Risiken bei Solaranlagen auf dem Dach und wie man Abhilfe schafft

PV-Module verschatten das Dach, was sich auf Temperatur und Feuchtigkeit darunter auswirkt. Fachleute wissen, wie man Schäden vorbeugt.

Die Energiepreise steigen, was die Installation von Photovoltaik (PV) auf dem Dach des eigenen Hauses umso attraktiver macht. „Dieser Schritt kann beträchtliche Auswirkungen auf die Gebäudesubstanz haben, da sich auf den mit PV-Modulen belegten Flächen die Temperatur- und die Feuchtesituation im Dachaufbau verändern“, weiß Marc Ellinger, Leiter des Regionalbüros Freiburg-Südbaden im Verband Privater Bauherren e.V. (VPB). „Die Paneele reduzieren die Sonneneinstrahlung auf die Dachfläche, auf der sie aufliegen – unter der Dacheindeckung, auf dem Unterdach verringert sich die Temperatur, die relative Feuchtigkeit im Dachaufbau steigt an.“ Dieser schadensverursachende Effekt ist bei Flachdachkonstruktionen, die mit aufgeständerten Modulen belegt werden, seit längerem bekannt. Er wurde zwischenzeitlich in den einschlägigen Regelwerken und Richtlinien berücksichtigt. Die Montage von PV-Modulen auf Steildächern schien mit Blick auf hygrothermische Einflüsse lange unproblematisch, doch neue Forschungsergebnisse zeigen etwas anderes.

„Die Reduzierung der Temperaturen am Unterdach, die sich bei Belegung mit PV-Modulen einstellt, und die damit verbundene Erhöhung der relativen Feuchte, können dazu führen, dass bisher funktionsfähige Dachkonstruktionen mittel- bis langfristig geschädigt werden“, erläutert Ellinger. Dies gilt vor allem bei außen dampfbremsend ausgeführten Steildachkonstruktionen, zum Beispiel mit Unterdächern aus Teer- oder Bitumenpappe, wie sie von den 60er bis Anfang der 80er Jahre üblich waren. Dies zeigen neue Forschungsergebnisse.

Gerade bei gedämmten Dachflächen, die nach Veröffentlichung der ersten Wärmeschutzverordnung gedämmt wurden, hat man auf Luftdichtigkeit von der Raumseite her noch keinen gesteigerten Wert gelegt. Die damals übliche Konstruktion mit einer hinterlüfteten Dämmung ist ursächlich dafür, dass diese Dachkonstruktionen bis heute funktionieren. Wird der solare Wärmeeintrag aber durch die Montage von PV-Modulen verringert, kann es dazu kommen, dass verstärkt Kondensat anfällt und die Konstruktion feuchtebedingte Schädigungen erfährt.

„Auch im Neubau kann die Installation von PV-Modulen dazu führen, dass erhöhte Einbaufeuchten, zum Beispiel nach längeren Regenperioden, langsamer austrocknen, was unter Umständen Schäden verursacht“, so der unabhängige Bausachverständige aus dem Netzwerk des VPB. In allen Fällen sollte daher die Planung der Dachkonstruktionen an die geänderten Randbedingungen angepasst und die Feuchtesicherheit geprüft werden. „Am Steildach gilt es, vier maßgebliche Parameter zu berücksichtigen, sagt Ellinger: „Erstens das Solarstrahlungsangebot am Gebäudestandort, zweitens die Orientierung und Neigung der Dachfläche, drittens die Tragfähigkeit des Dachtragwerks und viertens die vorhandene Luftdichtigkeit der Dachkonstruktion.“ Private Bauherren, die auf der sicheren Seite bleiben wollen, ziehen bei der Installation einer Solaranlage unabhängige Bausachverständige wie aus dem Netzwerk des VPB hinzu.