VPB: Eine Wärmepumpe im Bestand installieren – so geht´s
In vielen Haushalten machen steigende Heizkosten sich finanziell empfindlich bemerkbar. Allein von 2024 auf 2025 sind sie durchschnittlich um 15 Prozent gestiegen. Auf absehbare Zeit ist keine Besserung in Sicht. Getrieben durch politische Verwerfungen, den steigenden CO2-Preis und höhere Netzentgelte, so einige Prognosen, könnten in den nächsten 20 Jahren insbesondere Öl und Gas dreimal so teuer werden wie heute. Wer nun im Frühjahr nach neuen Möglichkeiten Ausschau hält, die Heizung zu modernisieren, stößt schnell auf die Wärmepumpe. Sie gilt als energieeffizient und klimafreundlich. „Wer im Bestand eine Wärmepumpe nachrüsten möchte, muss einige Dinge beachten, um nachher zum gewünschten Ergebnis zu kommen“, betont Jens Gierhardt, Leiter des Regionalbüros Aschaffenburg im Netzwerk des Verbands Privater Bauherren (VPB). „Beim Heizen und Dämmen gilt es, das Haus als Gesamtsystem zu betrachten, hierfür bedarf es unabhängiger, fachlicher Expertise.“
Ersetzt man eine Gas- oder Ölheizung durch eine Wärmepumpe, sinkt der Wärmebedarf des Hauses dadurch nicht. Dieser hängt vor allem von Dämmstandard, Fenstern, Luftdichtheit und Wärmebrücken ab. „Hier liegt ein entscheidender Hebel“, so Gierhardt. „Wenn man die Heizlast senkt, kann die Wärmepumpe kleiner dimensioniert werden und effizienter arbeiten.“ Meist seien dann auch weniger Eingriffe an Heizkörpern oder Heizflächen nötig. Ein geringer Wärmebedarf ist für Wärmepumpen relevant, weil die mit einer niedrigen Vorlauftemperatur besonders effizient arbeiten. Eine klassische Verbrennerheizung arbeitet in der Regel mit etwa 70 Grad Celsius, eine Wärmepumpe üblicherweise mit maximal 55 Grad Celsius.
„Bevor private Bauherren die alte Heizung einfach durch eine Wärmepumpe ersetzen, sollten sie die bestehende Heizanlage und das Haus von unabhängigen Fachleuten prüfen lassen“, rät Gierhardt. „Im konkreten Fall kommt es immer auf die Gegebenheiten an, jedes Gebäude ist unterschiedlich, ein Reihenhaus verhält sich wärmetechnisch anders als ein freistehendes, ein Bungalow anders als ein Haus mit zwei Vollgeschossen.“ Wichtige Fragen dabei seien etwa: Welche Reserven haben die vorhandenen Heizkörper? Welche Vorlauftemperaturen braucht das Haus? Eine gute Vorprüfung ist die Grundlage dafür, dass die Wärmepumpe später zum Haus passt.
Unabhängige Fachleute, wie die aus dem Netzwerk des VPB, geben Orientierung für ein Vorgehen fünf Schritten. Erstens: Zustand erfassen, also Heizsystem, Heizkörper, Temperaturen und Verbrauchsdaten. Zweitens: Heizlast und Systemtemperaturen prüfen, woraus sich ergibt, welche Leistung und Temperaturen nötig sind. Drittens: Wärmeverluste gezielt senken, also dämmen, wo es nötig und sinnvoll ist. Viertens: Heizflächen passend auslegen – wo nötig, werden Heizkörper vergrößert, manchmal bieten sich Alternativen wie etwa eine Wandheizung an. Fünftens: Auf dieser verbesserten Ausgangslage lässt sich die Wärmepumpe optimal dimensionieren, sodass sie effizient und wirtschaftlich arbeitet. „Eine Wärmepumpe lässt sich oft auch im Bestand gut einsetzen“, weiß Gierhardt, „wenn man mithilfe von Fachleuten sein Haus samt Heizsystem gut versteht.“
Und nicht vergessen: Maßnahmen zur energetischen Ertüchtigung sind oft auch förderfähig. Für die Gebäudehülle ist die BAFA zuständig. Einen Zuschuss zum Heizungstausch bringt das KfW-Programm 458. Hierzu berät ein Fördermittelberater aus dem Netzwerk des VPB.