Expertentipp am Mittwoch

VPB: Wie man mit baulichen Kniffen Wildtiere schützt

Ausstiegshilfen und Durchgänge schaffen, Rohre unzugänglich machen: Das klingt simpel, technisch und rechtlich kommt es aufs Detail an.

In vielen Gärten sind nun schon Igel unterwegs. Wer diese und andere Wildtiere schützen möchte, sollte ein paar Dinge beachten. Kaum jemand denkt wohl daran, dass etwa der Kondenswasserablauf der Wärmepumpen-Außeneinheit zur Falle werden kann. Bei Geräten mancher Hersteller wird das Wasser über einen kleinen Schlauch abgeleitet, der in einem Kanalgrundrohr (KG-Rohr) endet. Diese kennt man in verschiedenen farblichen Kunststoffausführungen (üblicherweise grün und orange-braun). Sie dienen generell der Regen- und Schmutzwasserentsorgung im Erdreich von einem Gebäude bis zur öffentlichen Kanalisation. Bei all ihren Einsätzen gilt: „Ist solch ein hochkant eingebautes KG-Rohr nicht abgedeckt, können kleine Tiere hineinfallen und schaffen es oft nicht wieder heraus. Zudem können nicht alle Tiere rückwärtslaufen, dann werden sogar waagerecht verlegte Rohre – auch mit leichtem Gefälle – zur Todesfalle“, sagt Norman-Marcel Dietz, der das Regionalbüro Hildesheim des Verbands Privater Bauherren (VPB) leitet. Abhilfe schaffe etwa eine zum Rohr passende Abdeckung mit Verbindungsstück, die die Grundleitung schließt, aber die Ableitung des Kondensats weiterhin zulässt. „Horizontale Abläufe wiederum lassen sich zum Beispiel durch ein Schutzgitter sichern.“ Dies gilt auch für Regenfallrohre, damit keine Vögel hineinfallen.

Während es bei Rohren angesagt ist, sie unzugänglich zu machen, gilt bei der Grundstücksbegrenzung  das Gegenteil, um kleinen Wildtieren Bewegungsfreiheit zu schaffen. Zunächst darf keine Einfriedungspflicht – etwa aus dem einschlägigen Landesnachbarrecht – entgegenstehen. Generell sollte man Wildtierdurchgänge so anlegen, dass sie nicht direkt auf eine vielbefahrende Straße führen. Es ist immer ratsam, die betroffenen Nachbarn mit ins Boot zu holen. Igel brauchen eine etwa 13 mal 13 Zentimeter große Öffnung. Ist das Grundstück durch eine Mauer begrenzt, lässt sich ein Durchgang bohren. Dies ist jedoch aufwendig und sollte nur mithilfe eines Profis gemacht werden. Spontan entstandene Lücken bei Zäunen direkt am Boden kann man einfach belassen. „Durchgänge sollten niemals scharfe Schnittkanten haben, damit sich das Tier beim Durchqueren nicht verletzt“, so Dietz.

Wer verhindern möchte, dass die eigene Katze durch solch eine Öffnung verschwindet, kann dort einen kleinen Holztunnel oder ein Ofenrohr anbringen. Weil Katzen den Ausgang auf der anderen Seite nicht sehen, gehen sie nicht hinein. Igel und andere Wildtiere nutzen den Tunnel. Futterstellen lassen sich mit opaken Klappen schützen, wenn sie so eingestellt sind, dass Igel in der Lage sind, sie aufzudrücken, aber zum Beispiel keine Ratten.

Auch steile Wände an Teichen und Pools können für Igel und andere Wildtiere zur tödlichen Falle werden. Eine einfache Ausstiegshilfe rettet Tierleben. „Offene Kellerlichtschächte – also ohne Gitterroste oder eine andere Abdeckung – sollten ebenfalls eine Ausstiegshilfe erhalten“, so Dietz. „Besser ist eine geschlossene, transparente Abdeckung, die im Gefälle verlegt ebenfalls hilft, den Eintrag von Niederschlagswasser in den Kellerlichtschacht zu reduzieren.“

Selbst bei solch kleinen Maßnahmen ist wichtig, dass die Bausubstanz nicht durch unsachgemäße Eingriffe beeinträchtigt wird und die Lösung langfristig Bestand hat. Auch für solche Details sind die Fachleute aus dem Netzwerk des VPB gute Ratgeber. Wer seinen Gartenbewohnern darüber hinaus noch etwas Gutes tun möchte, stellt regelmäßig Schalen mit frischem Trinkwasser zur Verfügung – ganz besonders an heißen Sommertagen. Mit Steinen in der Schale können auch Insekten vom Wasser trinken.