VPB: Schluss mit Greenwashing – mehr Durchblick für private Bauherren
Schlagworte wie „nachhaltig“, „öko“, „klimaneutral“ oder „recycelbar“ klingen gut. Werden damit Produkte wie etwa Baustoffe beworben, greifen viele private Bauherren zu. Ist ja für die gute Sache. Aber was bedeutet es konkret, wenn man diese Begriffe auf einem Label sieht? „Bis vor kurzem wenig, denn ihre Verwendung wurde kaum reguliert“, weiß Reimund Stewen, der das Regionalbüro des Verbands Privater Bauherren (VPB) in Köln leitet und Experte für ökologisches Bauen ist. Die gute Nachricht laute jedoch: „Mit Greenwashing – also schönen Behauptungen zum Umweltnutzen, aber nichts dahinter – ist nun Schluss.“ Seit dem 27. September greift in Deutschland die EU-EmpCo-Richtlinie. EmpCo steht für Empowering Consumers for the Green Transition und heißt übersetzt Stärkung der Verbraucherinnen und Verbraucher für den ökologischen Wandel.
„Die Richtlinie soll irreführende Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen zu Eigenschaften eines Produkts, einer Marke oder eines Unternehmens in der Werbung eindämmen und mehr Transparenz für Verbraucher schaffen“, erläutert Stewen. Verankert ist dies im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. „Informationen zu den Umwelteigenschaften von Produkten werden nun auch für Laien verlässlicher, vergleichbarer, begründeter und nachprüfbarer“, so der Bausachverständige. „Bei der Orientierung hilft ebenfalls, dass Nachhaltigkeitssiegel eine stärkere Glaubwürdigkeit erlangen.“ Werden Umweltleistungen nun konkret und nachvollziehbar nachgewiesen, gibt dies neben privaten Bauherren auch Planern und Verarbeitern eine bessere Orientierung.
Kennzeichnungen mit einem Nachhaltigkeitssiegel, das weder von staatlichen Stellen stammt noch auf einem Dritt-Zertifizierungssystem beruht, sind künftig nicht mehr zugelassen. Zudem müssen Siegel allen Unternehmen zugänglich sein und ihre Bewertungsmaßstäbe veröffentlichen. Staatliche Kennzeichnungen und Kennzeichnungssysteme gewinnen dadurch künftig an Bedeutung. Dazu zählen das deutsche Umweltzeichen Blauer Engel und das EU Ecolabel. Zudem rücken Kennzeichen in den Vordergrund, hinter denen ein anerkanntes Zertifizierungssystem steht, etwa das der RAL-Gütesicherung, das die Anforderungen der EmpCo-Richtlinie bereits erfüllt. Seriös über ökologische Baustoffe informieren ÖKOBAUDAT und WECOBIS.
„Wer beim Kauf über ökologische Auswirkungen, Haltbarkeit und Reparierbarkeit von Produkten besser informiert ist, hat es leichter, nachhaltiger zu bauen“, betont Stewen. Private Bauherren profitieren außerdem davon, dass Handwerksbetriebe gegenüber Kunden gefordert sind, generell in ihren Geschäftsprozessen transparenter aufzutreten. Begriffe wie „nachhaltig“ oder „klimaneutral“, die man bislang in Werbematerialien oder auf Webseiten bezogen auf ganze Unternehmen und deren Arbeitsweise fand, sind nun unzulässig, wenn sich das nur auf eine bestimmte Geschäftsaktivität beschränkt. Allgemeine Umweltaussagen müssen nun ebenfalls durch eine anerkannte hervorragende Umweltleistung belegt werden können. Egal ob beim Neubau oder im Zuge einer Sanierung gilt nach wie vor: Private Bauherren, die Fachleute aus dem Netzwerk des VPB zurate ziehen, können sicher sein, dass die fachliche Beratung unabhängig von Produkten und Dienstleistungen erfolgt, also auf die optimale Lösung ohne unnötige Kosten abzielt.