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Erich Herf

Interview

Oktober 2003

mit Erich Herf, Vorsitzender des Verbandes Privater Bauherren


Thema:
Private Bauherren brauchen mehr Verbraucherschutz!



Frage:
Herr Herf, Sie sprechen in der jüngsten Pressemittelung Ihres Verbandes von einem Skandal im Bauwesen. Was genau ist das Problem?

Antwort:
Wir, der Verband Privater Bauherren, betreuen seit 1976 private Bauherren bundesweit. Wir haben 46 Regionalbüros und einer der Beratungsschwerpunkte ist die bautechnische Prüfung von Bauverträgen mit Bauträgern und Schlüsselfertiganbietern. Wir haben unsere Sachverständigen nach ihren Erfahrungen befragt. Herausgekommen sind schockierende Zahlen: so hatten beispielsweise 65 Prozent aller von uns im Jahre 2002 geprüften Bauverträge eklatante Mängel. Die Baubeschrei-bungen waren ungenügend, spätere Nachbesserungen unvermeidlich. In 73 Prozent aller Fälle das sind immerhin fast drei Viertel - waren selbst die Planungsleistungen nur vage beschrieben. Der Traum vom sorglosen, schlüsselfertigen Bauen ist also in vielen Fällen eine Farce.

Frage:
Was bedeutet das für den Bauherrn?

Antwort:
Er wird häufig schlicht und einfach betrogen. Mangelhafte Leistungsbeschreibungen sind für den Laien praktisch nicht zu überprüfen. Wer weiß schon, wie viel und welche Art Wärmedämmung ein Neubau wirklich braucht? Das hängt von vielen Faktoren ab. Das können nur geschulte und erfahrene Fachleute beurteilen. Der Bauherr wird im Glauben gelassen, er bekomme für sein sauer verdientes Geld ein fertiges Haus geliefert, das den geltenden Gesetzen und Verordnungen entspricht. Tatsache ist aber: er bekommt oft mangelhafte Ware, die er dann meist zu überhöhten Preisen auf eigen Kosten nachbessern muss.

Frage:
In welchen Größenordnungen bewegen wir uns da?

Antwort:
Bei den von uns untersuchten Fällen ergab sich ein erschreckendes Bild: Im Durchschnitt mussten Bauherren im Laufe des Bauablaufs Mängel für 28.000 Euro nachbessern lassen. Das entspricht fast der Summe, die einen Familie mit zwei Kindern zurzeit noch an Eigenheimzulage bekommt.

Frage:
Lässt sich das verhindern? Und wenn ja, wie?

Antwort:
Ja, es lässt sich verhindern. Zum einen durch detaillierte Planung, zum anderen durch bautechnische Beratung vor Vertragsabschluss. Unsere Berater haben festgestellt, bei allen Bauherren, die rechtzeitig kamen, konnten sie Mängel im Schnitt von 16.000 Euro pro Objekt durch Nachbesserung des Vertrages verhindern helfen. Die Beratung lohnt also. Aber der Gesetzgeber muss nachbessern.

Frage:
Wie genau?

Antwort:
Wir brauchen verbindliche Richtlinien für Bau- und Leistungsbeschreibungen. Die Angebote müssen vergleichbar sein. Wir sind als Verband Mitglied der Initiative "kostengünstig qualitätsbewusst Bauen" des Bundesbauministeriums. In diesem Gremium haben wir wesentlich an der Gestaltung von Mindestanforderungen für Verträge mitgewirkt, die privaten Bauherren mehr Sicherheit und Transparenz bei den Verträgen garantieren sollen. Leider sind diese Mindestanforderungen bislang noch nicht verbindlich, aber informierte Bauherren fragen bei ihren Anbietern natürlich nach, ob sie sich schon an diese Richtlinien halten. Das ist ein erster Schritt.

Frage:
Und wann werden die Mindestanforderungen verbindliches Recht?

Antwort:
Wir arbeiten daran und sind zuversichtlich, denn der Gesetzgeber, der dem privaten Bauherren aller Voraussicht nach und gegen unseren energischen Widerstand unter anderem im Bündnis "Pro Eigenheim" - die Eigenheimzulage streicht, sollte ihm dafür an anderer Stelle entgegenkommen und mindestens den Verbraucherschutz verbessern. Das ist nur recht und billig, denn das kostet Vater Staat auf Dauer nicht einen Euro.

Frage:
Ihre Sachverständigen beraten aber nicht nur Bauherren vor der Vertragsunterzeichnung, sondern auch während des Baus. Was hat der Bauherr davon?

Antwort:
Unsere Berater sind alle auf den privaten Hausbau und den privaten Immobiliensektor spezialisiert. Zu unseren Leistungen gehören auch die Baubegleitung, was für alle Bauherren wichtig ist, die ohne eigenen Architekt bauen und damit auch keinen persönlichen Sachwalter an ihrer Seite haben, also für alle, die ein Grundstück kaufen, ein Fertig- oder ein Ausbauhaus, eine schlüsselfertige Immobilie oder ein gebrauchtes Objekt. Wir begleiten diese Bauherren durch alle Phasen des Baus bis hin zur Bauabnahme und unterstützen sie dabei, ihre Interessen gegenüber den Firmen zu vertreten.

Frage:
Was kostet das den Bauherren?

Antwort:
Das hängt natürlich sehr vom Einzelfall ab, aber nach unseren Untersuchungen brauchen rund 70 Prozent unserer Bauherren zwischen drei und zehn Stunden Betreuung. Das ist nicht viel. Die restlichen knapp 30 Prozent brauchen bis zu 20 Stunden Unterstützung. Das reicht aus für eine gründliche Beratung im Vorfeld, Baustellenbesuche bei Bedarf und fachliche Unterstützung bei der Bauabnahme.

Frage:
Und lohnt sich das wirklich für den Bauherrn?

Antwort:
Absolut, und zwar in jeder Phase des Baus. Wir haben bei unseren Untersuchungen nämlich noch eine gravierende Zahl ermittelt: Rund 44 Prozent der Anbieter haben allein im vergangenen Jahr bei unseren Mitgliedern versucht, minderwertigere Produkte einzubauen, als im Vertrag vorgesehen. Das grenzt an Betrug und wird durch die schwammigen Formulierungen in den Baubeschreibungen geradezu provoziert. Wir haben ständig mit Fällen zu tun, wo Bauherren erst nach Baubeginn und dann natürlich nach Vertragsabschluss doch noch misstrauisch werden und uns während der Bauphase um Hilfe bitten. Dabei stoßen wir dann auf solche Geschichten und versuchen, dem Bauherrn aus der Patsche zu helfen.

Frage:
Was kostet eigentlich eine Beratung bei Ihnen?

Antwort:
Das variiert ein bisschen von Region zu Region, aber im Schnitt stellen unsere Berater ihren Kunden 60 bis 80 Euro Stundensatz in Rechnung, zuzüglich Fahrtkosten. Das sind also im Schnitt keine 500 Euro, und dabei lassen sich wie auch bereits erläutert, im Schnitt, 16.000 Euro sparen. Dazu kommen noch die Beiträge für die Mitgliedschaft im VPB. Das sind 25 Euro Aufnahmegebühr und 84 Euro Jahresmitgliedschaft. Wobei jedes Mitglied zum Quartal kündigen kann. Sie kaufen also bei uns kein fertiges Gesamtpaket, sondern Know-How, und zwar immer nur genau die Leistungen, die sie als Bauherr wirklich brauchen und auch nur so lange, wie Sie unsere Dienste benötigen. Nebenbei, wir haben auch viel langjährige Mitglieder, die aktuell nicht bauen, sondern sich als Verbraucherschützer begreifen und uns durch ihr Mitgliedschaft dabei unterstützen, die gesetzlichen und verbraucherrechtlichen Bedingungen für den privaten Bauherren immer weiter zu verbessern.

Frage:
Was sind die schlimmsten Mängel am Bau?

Antwort:
Nach unserer aktuellen Umfrage summieren sich die Mängel im Bereich des Kel-lers. Mangelhafte Abdichtung gegen eindringendes Wasser ist dabei das Hauptproblem. Fast 90 Prozent der von unseren Sachverständigen im vergangenen Jahr untersuchten Neubaukeller wiesen Mängel auf. Sechzig Prozent der Objekte hatten Probleme mit den Außenwänden, mit Wärmedämmung und Luftdichtigkeit, bei knapp der Hälfte aller Objekte fanden unsere Bausachverständigen Mängel am Dach. Bei einem Drittel aller geprüften Bauten gab es Ärger mit der Haustechnik.

Frage:
Soweit der Neubaubereich. Viele Menschen kaufen heute alte Häuser, weil sie glauben, sie hätten die Kosten im Griff. Wie ist es da mit den Mängeln?

Antwort:
Altbauten sind noch komplexer als Neubauten. Es sind bestehende, im Laufe der Jahrzehnte meist mehrfach veränderte Gefüge, die vor der Sanierung genau untersucht werden müssen. Altbauuntersuchungen und Sanierungsgutachten machen rund ein Viertel der Arbeit unserer Sachverständigen aus. Dabei, so zeigt die Erfahrung, liegen die meisten Mängel im Bereich der Wärmedämmung. Das ist kein Wunder, denn in den vergangenen Jahren wurden die Wärmeschutzverordnungen mehrfach stark modifiziert; da herrscht jetzt enormer Nachholbedarf; rund zwölf Prozent unserer Arbeit entfällt auf Energiesparmaßnahmen. Ähnlich ist es mit der Haustechnik. Sie ist meist veraltet und muss modernisiert werden. Dazu sind Immobilienkäufer nach der neuen Energieeinsparverordnung sogar gesetzlich verpflichtet. Auch dabei helfen unsere Sachverständigen. Sie ermitteln Zustand und Sanierungsalternativen. Und das am besten schon vor dem notariellen Hauskauf, damit unsere Bauherren wirklich wissen, was neben dem Kaufpreis finanziell noch alles auf sie zukommt.

Frage:
Noch ein aktuelles Thema: Viele Baufirmen haben heute existenzielle Probleme. Wie können sich Ihre Bauherren vor Firmeninsolvenzen schützen?

Antwort:
Das Problem betrifft vor allem den Neubau. Zurzeit können wir unsere Bauherren nur durch solide Beratung schützen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der so genannte Zahlungsplan. Unsere Erfahrungen zeigen: Fast 60 Prozent aller Baubeschreibungen sehen Zahlungspläne vor, in denen dem Bauherren überhöhte Abschlagszahlungen leisten sollen. Sie zahlen also mehr, als dem jeweiligen Baufortschritt entspricht. Das ist nicht in Ordnung, denn auch am Bau gilt: Bezahlung Zug um Zug. Und das dicke Ende kommt oft hinterher: Im vergangenen Jahr waren sechs Prozent unserer Bauherren von Firmenpleiten betroffen. Über 40 Prozent dieser Bauherren hatte bereits wesentlich mehr bezahlt, als sie an Leistungen bekommen hatten. Das heißt, diese Bauherren haben massiv Geld verloren. Und wirklich skandalös: Drei Viertel der Bauherren bekommen trotz überhöhter Abschlagszahlungen keinerlei Sicherheiten vom Bauträger geboten. Sie müssen im Fall des Falles ihr Recht vor Gericht einklagen. Auch hier muss der Gesetzgeber den Verbraucherschutz für private Bauherren verbessern. Dafür setzen wir uns als Verband ein.



Das Interview kann auch auszugsweise verwendet werden. Weitere Informationen beim Verband Privater Bauherren e.V., Bundesbüro, Chausseestraße 8, 10115 Berlin, Telefon 030-2789010, Fax: 030-27890111, E-Mail: info@vpb.de, Internet: www.vpb.de.


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Der Verband privater Bauherren e.V. ist der älteste Verbraucherverband für Bauberatung und Bauherrenschutz in Deutschland. In unseren Regionalbüros finden Sie Baufachleute, die für unsere Mitglieder als Bauberater, Baubetreuer, Baugutachter, Bauexperte und Bausachverständiger fungieren. Neben der Baubegleitung gehört auch die Baubegutachtung, die Erstellung von Baugutachten und die Bauinspektion zu den Aufgaben unserer Bauexperten.