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Experteninterview Stromspeicherung






Ein Interview mit Bausachverständiger
Dipl.-Ing. Thomas Weber, VPB Fulda


Toprendite:
Strom selbst produzieren und direkt nutzen


Frage:
Herr Weber, Energie wird immer teurer. Was können Hausbesitzer dagegen tun?

Antwort:
Verschiedene Dinge lohnen sich, unter den richtigen Bedingungen zum Beispiel die Installation einer Photovoltaikanlage.


Frage:
Was kostet so eine Anlage und was braucht eine normale Familie?

Antwort:
Eine vierköpfige Familie verbraucht in etwa 4.000 Kilowattstunden (kWh) Strom pro Jahr. Will sie ihren Verbrauch mit Solarstrom decken, dann installiert sie sich eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 10 kW, das kostet samt Installation und Anschluss rund 15.000 Euro.


Frage:
Wie rechnet sich das?

Antwort:
Wenn ich nur eine Photovoltaikanlage mit 10 kW Leistung habe, dann ernte ich einen Ertrag von rund 9.000 kWh pro Jahr. Speise ich den Strom komplett ins Netz ein, dann bekomme ich dafür aktuell ca.12 Cents pro Kilowattstunde. Das sind 1.080 Euro pro Jahr.


Frage:
Dann würde sich meine Anlage ja in gut fünfzehn Jahren rechnen…

Antwort:
Ja, theoretisch, wenn ich das Geld übrig habe. Aber eventuell muss ich die Anlage ja finanzieren. Das reduziert dann meine Einnahmen um Zinsen und Tilgung und verlängert die Amortisationszeit entsprechend. Trotzdem lohnt es sich, denn die Rendite liegt bei 7 Prozent. Im Augenblick gibt es keine besseren Geldanlagen bei Banken oder Sparkassen.


Frage:
Bei dieser Variante verdiene ich zwar Geld, aber autark bin ich nicht. Ich muss immer noch Strom zukaufen. Was kann ich da machen?

Antwort:
Den eigenen Strom selbst nutzen. Ob sich das lohnt, bedarf einer genauen Untersuchung. Aktuell kostet zugekaufter Strom pro Kilowattstunde circa 29 Cents. Also 17 Cents mehr als die Einspeisevergütung. Die einfachste Spar-Variante ist in diesem Fall, den Strom immer dann zu verbrauchen, wenn die Sonne scheint. Dazu muss ich meinen Verbrauch entsprechend steuern, also immer dann elektrisch waschen oder spülen, wenn die Sonne scheint. Dazu muss ich meine Spül- und Waschmaschinen über eine Zeitschaltuhr steuern. Das ist ideal für Berufstätige, die nicht immer daheim sind und die Starttaste drücken können, sobald die Sonne scheint. Doppelt Pech natürlich, wenn es trotz guter Wettervorhersage überraschend regnet: Dann produziere ich keinen Strom, sondern muss ihn teuer zukaufen.


Frage:
Also doch weitgehende Autarkie anstreben?

Antwort:
Gegebenenfalls. Das rechnet sich bislang nur im Einzelfall. Dazu muss ich mir neben der Photovoltaikanlage einen Stromspeicher installieren. Zu einer 10-kW-Photovoltaikanlage passt ein 7 kWh-Speicher. Mit so einer Anlage können Sie circa 30 Prozent Ihres selbst geernteten Stromes zusätzlich abends auch tatsächlich selbst nutzen – bei einer vierköpfigen Familie also rund 1.600 Kilowattstunden. Dies entspricht etwa einem Drittel des Jahresverbrauchs.


Frage:
Was kostet eine solche Anlage?

Antwort:
Zu den rund 15.000 Euro für die Photovoltaikanlage kommen noch einmal rund 12.000 Euro. Wenn man die Anlage ab dem 1. Mai 2013 baut, können dann 30 Prozent Tilgungszuschuss bei der KfW beantragt werden. Alles in allem kostet so die komplette Anlage für den Vierpersonenhaushalt aktuell in etwa 29.000 Euro beziehungsweise rund 25.000 Euro bei Inanspruchnahme der Förderung.

Gefördert werden solche Speichersysteme ab dem 01.05.2013 durch das KfW-Programm Erneuerbare Energien „Speicher“ in Form von Krediten und einem Tilgungszuschuss in Höhe 600 €/kWpeak des Speichers. Die Netzeinspeisung solcher Anlagen ist dann auf maximal 60 Prozent der installierten Leistung begrenzt. Die Einspeisevergütung für diesen Teil wird über das Erneuerbare-Energien-Gesetz geregelt, also aktuell die oben bereits erwähnten 12 Cents pro KWh. Eine interne Vergleichsrechnung ergab jedoch, dass durch diese Reduktion der Einspeisung bei Nutzung des Zuschusses die Wirtschaftlichkeit leidet.

Finanziere ich die Anlage aus Photovoltaik und Speicher komplett mit Förderung, schlagen Zins und Tilgung im Jahr mit rund 6,5 Prozent zu Buche. Das macht rund 1.800 Euro pro Jahr. Wenn ich jetzt nicht mehr meinen ganzen Ertrag ins Netz einspeise, weil ich ihn ja zu 40 Prozent oder mehr selbst nutzen möchte, habe ich einerseits weniger Einnahmen, andererseits weniger Ausgaben, weil ich den Strom nicht teuer zukaufen muss. Rechne ich das gegen, dann speise ich also nur noch 5.400 kWh ein - das bringt bei 12 Cents 648 Euro pro Jahr. Die verbleibenden 3.600 kWh Ertrag muss ich nun entweder direkt zum Zeitpunkt des Anfalls nutzen oder über den Speicher in die Abendstunden retten und dann selbst verbrauchen.

Wenn man weiter unterstellt, dass man circa 230 Sonnentage hat, an denen die volle Speicherkapazität von 5 bis 7 kWh genutzt wird, dann kommt man auf circa 1.400 kWh Jahresspeicherkapazität. Diese Speicherkapazität hat den Wert des vermiedenen Netzbezugs von aktuell circa 29 Cent/KWh also zusammen rund 406 €.

Die Frage ist jetzt, ob es mir gelingt, die verbleibenden 2.200 kWh während des Zeitpunktes des Anfalls des Ertrags selbst zu verbrauchen. Dies wird ohne programmierbare Haushaltsgeräte in den seltensten Fällen gelingen. Daher ist genau zu überlegen, ob man die 30-prozentige Förderung tatsächlich in Anspruch nimmt. Denn bevor der erzeugte Strom ohne Vergütung ins Netz abgegeben wird, ist es gegebenenfalls sinnvoll, den Förderbetrag bei dem aktuell niedrigen Zinssatz aus der Mehreinspeisung selbst zu finanzieren.


Frage:
Und das Fazit?

Antwort:
Grundsätzlich ist zu sagen, dass eine PV-Anlage zur Stromeinspeisung selbst ohne Eigenverbrauch wirtschaftlich ist. Die Wirtschaftlichkeit steigt mit der Menge des vermiedenen Netzbezugs. Die Stromspeicherung, egal ob mit oder ohne Förderung, verschlechtert jedoch die Wirtschaftlichkeit einer solchen Anlage. Man sollte in jedem Fall den Markt der Stromspeicher im Auge behalten. Es ist zu erwarten, dass sich auf diesem Gebiet der Preis der Speichermedien nach unten bewegen wird.


Frage:
Wie groß muss das Dach sein, damit ich eine solche Anlage installieren kann?

Antwort:
Eine Photovoltaikanlage bringt rund 180 Watt pro Quadratmeter Kollektorfläche. Wir brauchen also zwischen 55 und 60 Quadratmetern Fläche in reiner Südlage.


Frage:
Und das funktioniert immer und überall?

Antwort:
Die Randbedingungen müssen natürlich stimmen. Die Solarausbeute ist abhängig vom Standort. Wir rechnen hier im Beispiel mit Mittelwerten. In Norddeutschland scheint die Sonne seltener als etwa in Südbaden. Das muss ich für jeden Ort genau ausrechnen. Auch die Lage des Daches ist wichtig: Die Photovoltaikanlage muss optimal nach Süden ausgerichtet sein. Bäume und Nachbarhäuser dürfen keine Schatten werfen.


Frage:
Gibt es Karten im Internet, wo ich nachschauen kann, wie oft die Sonne an meinem Wohnort scheint?

Antwort:
Ja, die gibt es. Ich benutze für diesen ersten Schritt gerne diese Karte: http://re.jrc.ec.europa.eu/pvgis/apps4/pvest.php?lang=de&map=europe


Frage:
Von da ist es aber noch ein weiter Weg bis zur funktionierenden Solarstromspeicherung. Wie lange braucht ein Energieberater, um so eine Anlage zu berechnen?

Antwort:
Das kommt darauf an, etwa zwischen drei und fünf Stunden. Zunächst muss ich mich vor Ort umsehen, wie die Bedingungen sind, ob das Dach optimal ausgerichtet ist, ob Bäume Schatten werfen. Danach werden die Daten berechnet und ausgewertet.


Frage:
Und was kann der Hausbesitzer mit der Berechnung anfangen?

Antwort:
Sie ist die Grundlage der Ausschreibung. Damit kann er sich bei den heimischen Handwerksbetrieben ein Angebot einholen.


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Ergänzende Informationen finden Sie u.U. hier:
Bauvertrag - Bauberater - Bausachverständiger - Verbraucherverband - Baufachleute

 

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