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Experteninterview Preiswert bauen





Ein Interview mit VPB-Hauptgeschäftsführerin Dipl.-Ing. Corinna Merzyn


Gut und preiswert bauen – ist das überhaupt möglich?

Zwischen 250.000 und 300.000 Euro kostet heute ein schlüsselfertiges Haus. Das ist viel Geld, das die meisten Menschen über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinweg finanzieren müssen. Umso mehr lohnt es sich, die wohl größte Investition im Leben sorgfältig zu prüfen und an sinnvollen Stellen zu sparen.

Frage:
Kann man eigentlich günstig und doch gut bauen?

Antwort:
Ja, das geht. Gutes und preiswertes Bauen beginnt bei der Planung. Wenn Sie von vornherein ein schlüssiges Planungskonzept haben, wenn Bauform, Materialien und moderne Heiztechnik miteinander verzahnt werden, kommt dabei ein gutes Haus heraus. Und wenn Sie auf überflüssigen Luxus verzichten, dann sogar ein preiswertes.

Frage:
Was ist alles überflüssig?

Antwort:
Überflüssiger Luxus, das sind zum Beispiel unnötige Fassadenversprünge, aufwändige Dachlandschaften, unnötige Zierbalkone, eingeschobene Dachterrassen, viele unterschiedliche Fensterformate, Gauben, Erker, Wintergärten und Loggien, alle Details, die bautechnisch aufwändig sind und die Oberfläche des Hauses unnötig vergrößern.

Frage:
Ist man als "Billigheimer" eigentlich in guter Gesellschaft? Sprich: Müssen viele Bauherren, auf den Preis achten?

Antwort:
Auf alle Fälle! Die meisten Menschen müssen beim Bauen den Euro mehrmals umdrehen. Umso wichtiger die sorgfältige Vorbereitung. Wir beobachten da allerdings eine fatale Tendenz: Geht es um den Kauf beispielsweise einer neuen Waschmaschine, dann machen sich die Menschen viel Mühe. Sie lesen etliche Testberichte, fragen bei Bekannten und vergleichen Angebote. Manchmal dauert diese ja nur rund 500 Euro teure Anschaffung einer Waschmaschine einige Wochen lang. Bedauerlicherweise nehmen sich die meisten angehenden Bauherren nicht so viel Zeit, um die wahrscheinlich größte Ausgabe ihres Lebens zu planen. Zwischen 250.000 und 300.000 Eure kostet heute ein schlüsselfertiges Haus. Vorausgesetzt, Sie unterschreiben einen Bauvertrag, der wirklich alles enthält, und Sie finden einen Bauunternehmer, der wirklich alles ordentlich und pünktlich – und zum versprochenen Festpreis – regelt.

Frage:
Aber ist das denn nicht der Normalfall?

Antwort:
Da machen wir leider seit über 30 Jahren ganz andere Erfahrungen: Rund zwei Drittel aller Bauverträge haben eklatante Mängel. Da fehlen ganze, aber für den Bau unentbehrliche Leistungspakete. In der Folge müssen die Bauherren immer wieder nachzahlen - und zwar im Schnitt rund 25.000 Euro pro Haus. Das sind Zusatzkosten, die auf den vereinbarten Baupreis oben drauf kommen und finanziert werden müssen. Für viele Bauherren ist so eine Preissteigerung von zehn Prozent fast nicht zu buckeln. Würden die Bauherren ihre Bauverträge im Vorfeld aber von einem unabhängigen Bausachverständigen genau prüfen lassen, dann würden die Fachleute alle die Mängel und Fallstricke rechtzeitig finden, und die Bauherren könnten so viel Geld sparen. Aber das spricht sich leider nur langsam herum.

Frage:
Welches Kosten sparende Baukonzept ist denn derzeit besonders beliebt, zum Beispiel Selbstbauhäuser, Ausbauhäuser, Anbauhäuser?

Antwort:
Wie eben schon beschrieben, hoffen viele Menschen, beim Kauf eines schlüsselfertigen Hauses zum Festpreis die Kosten im Griff zu behalten; wie ebenfalls erläutert, geht das oft schief. Ausbauhäuser und Eigenhilfe sind sicher ein weiteres Mittel, die Finanzen zu schonen, aber, und das ist ein dickes Aber: Sie brauchen dazu selbst sehr viel Kraft, Zeit und gute Helfer. Wir haben das von Seiten des VPB einmal durchgerechnet: Ein handwerklich geschickter Bauherr kann Tapezieren und Streichen, das Dach dämmen und ausbauen, Fußböden verlegen und Fliesen kleben, Zimmertüren einsetzen und seinen Garten selbst anlegen. Dazu braucht er – mit zuverlässigen Helfern – bis zu 850 Stunden, also ein Drittel länger als die Fachleute. Er spart dabei maximal 18.000 Euro an Lohnkosten für die Handwerker. Allerdings sind Eigenleistungen nicht ohne Risiko, insbesondere, wenn Bauträger oder Generalunternehmer beteiligt sind. Wer haftet etwa für Zeitverzug und Schäden, die durch den Eigeneinsatz entstehen? Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollte der Bauherr deshalb unbedingt vor Vertragsabschluss einen Sachverständigen einschalten. Er kennt die Probleme und weiß, wie sie sich lösen lassen.


Was viele beim Kauf eines Hauses nicht bedenken, sind die Nebenkosten, die unweigerlich auf die neuen Besitzer zukommen, und zwar sowohl beim Kauf als auch bei der späteren Unterhaltung der Immobilie. Lesen Sie mehr dazu im VPB-Ratgeber "Nebenkosten bei Hauskauf und -unterhaltung".



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Ergänzende Informationen finden Sie u.U. hier:
Bauvertrag - Bauberater - Bausachverständiger - Verbraucherverband - Baufachleute

 

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