VPB-Experten raten zur barrierefreien Planung

Kluge Bauherren denken schon beim Bauen an ihr Alter und konzipieren ihr Haus ohne Stufen und Versprünge. Das muss nicht einmal teurer werden – wenn es richtig gemacht wird.
Der VPB weiß aus Erfahrung: In der Planungsphase können viele Details bedacht werden, um das Einfamilienhaus ohne größeren bautechnischen oder finanziellen Aufwand für eventuelle alters- oder unfallbedingte Behinderungen vorzubereiten. Der Einsatz lohnt sich, denn nach wie vor ist der private Hausbau eine der wichtigsten Aspekte der individuellen Altersvorsorge. Wer sein eigenes Haus auch im Alter und bei Behinderung weiter bewohnen kann, der wahrt seine Unabhängigkeit.
Das sieht auch Sieghilde Geiss-Krapp so, Preisträgerin des KfW-Award 2010. "Hier kann ich alt werden mit großer Gelassenheit", freut sich über ihr Massivholz-Haus in der Aufderhöherstraße 164 in Solingen, hier im Bild. Geplant hat es ihr Sohn und Architekt Sven Geiss. Das Haus bietet barrierefreies Wohnen im Stil der 1960er-Jahre-Bungalows, aber mit allen Vorzügen eines nachhaltigen Energiekonzeptes. Die Außenwände bestehen aus unbehandelter Lärche und schaufenstergroßen Glasflächen. Im Dach und in den Wandkonstruktionen wurden zwei Schichten von jeweils zehn Zentimetern Flachs als Dämmstoff eingearbeitet. Das Dach ist begrünt, im Inneren des Hauses sorgt eine Fußbodenheizung unter dem hoch verdichteten Beton für gleichmäßige Wärme. Die Jury des KfW-Award würdigte das Haus 2010 mit dem fünften Preis.
Die KfW Bankengruppe schreibt jedes Jahr den Wettbewerb KfW-Award "Europäisch Leben - Europäisch Wohnen" unter privaten Bauherren und Wohneigentümern in Deutschland aus. 2010 stand der Wettbewerb unter dem Thema "Mut zur Lücke! Ob Neubau oder Ersatzbau - Baulücken kreativ schließen". Die Jury, zu der auch der VPB-Vorsitzende Dipl.-Ing. Thomas Penningh gehört, sah in dem Entwurf "Ein schönes Beispiel für die Verdichtung und Aufwertung eines Gebäudeensembles."
Behindertengerechte Planung beginnt bereits an der Haustür. Kluge Bauherren vermeiden Schwellen und Treppenstufen unmittelbar an der Haustür. Sie sind lästig im Alltag und bilden für Alte, Geh- und Sehbehinderte wie auch für Rollstuhlfahrer gefährliche, kaum zu überwindende Hindernisse. Vorausschauende Bauherren planen auch von vornherein viel Platz vor und hinter der Haustür ein. Dieser Raum bewährt sich im Alltag junger Familien mit Kinderwagen und Rutschautos, aber auch für Rollstuhlfahrer.
Wer nach einem Unfall oder im Alter auf den Rollstuhl angewiesen ist, der braucht Bewegungsfläche: 1,50 Meter auf 1,50 Meter benötigen Rollstuhlfahrer zum rangieren. Dieser Platz sollte grundsätzlich vor allen Türen, an allen Treppenantritten, im Flur, im Bad, in der Küche und auch auf der Gästetoilette eingeplant werden. Stimmen die Grundmaße, reicht der Platz im Fall des Falles für den Rollstuhl aus.
Ein weiteres Problem kennen die Bauherrenberater des VPB aus dem Alltag: Fast alle Hauseingänge moderner Einfamilienhäuser liegen heute über dem Gartenniveau. Ein bis zwei Stufen muss überwinden, wer ins Haus will. Dieser Abstand ist zwar bautechnisch sinnvoll, um die Gebäudefuge am Sockel über das Gelände hinaus zu heben und damit vor Staunässe zu sichern, für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte aber werden diese Stufen zum unüberwindlichen Hindernis, die nachträgliche Beseitigung der Hemmschwellen kommt teuer. Besser, der Bauherr plant beizeiten Alternativen ein: Beim Einfamilienhaus kann zum Beispiel direkt an der Haustür eine abgedeckte Bodenablaufrinne vorgesehen werden. Die verhindert, dass Regenwasser oder ähnliches in den Hausflur gelangt. Maßnahmen, die, bei rechtzeitiger und fachlich kompetenter Planung, keinen Euro extra kosten.
Wichtig sind auch die Haustüren: 90 Zentimeter lichtes Durchgangsmaß sollten im Neubau heute selbstverständlich sein. Diese Breite reicht auch für Rollstuhlfahrer aus – also eine sinnvolle Investition in eine komfortable Zukunft.
Diese und weitere Planungsgrundlagen hat der VPB in seiner Broschüre "Vorbauen und Umbauen: Barrierearm und altersgerecht" zusammengestellt. Der Bauherren-Leitfaden, mit zahlreichen Erklärungen, Skizzen und Checklisten für alle Räume im Haus, kostet fünf Euro Schutzgebühr und kann unter www.vpb.de über den Online-Shop bestellt werden.
Weitere Informationen zum KfW-Award unter:
http://www.kfw.de/kfw/de/Inlandsfoerderung/Weitere_Angebote/Wettbewerbe/2010/
Ergänzende Informationen finden Sie u.U. hier:
Bauvertrag -
Bauberater -
Bausachverständiger -
Thermografie -
Verbraucherverband -
Baufachleute
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